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Theato, erster Luxemburger Olympiasieger

Die Luxemburger olympische Geschichte beginnt in Paris. Das wichtige Datum ist allerdings nicht 1894, als Baron Pierre de Coubertin an der Sorbonne einen internationalen Kongress einberief zur Neubegründung der Olympischen Spiele der Antike. Luxemburger Delegierte waren damals nicht präsent, aus gutem Grund, der erste Luxemburger Sportverband, die Union des sociétés luxembourgeoises de gymnastique (USLG), wurde erst 1899 gegründet. Nach den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen stieg nach dem Willen von Coubertin die zweite Ausgabe 1900 in Paris.

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Es waren recht kuriose Spiele, der französische Baron hatte Probleme, einen Organisator zu finden und so firmierten diese Spiele unter der Bezeichnung Concours internationaux gewissermaßen als sportliches Anhängsel der Weltausstellung in der französischen Metropole. Erst später erhielten sie das Gütesiegel von Olympischen Spielen.

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  •  © PD
    Der Marathonlauf kurz nach dem Start. Theato läuft hier an vorletzter Stelle.

Völlig überraschend gewann Michel Theato bei großer Hitze den Marathonlauf über die damals vermessenen 40,260 km. Theato war am 22. März 1878 in Luxemburg-Stadt, genauer an der Nummer 8 der Rue Louvigny, geboren. Sein Vater Johann hatte das Handwerk eines Handschuhschneiders erlernt. So wie seinerzeit zahlreiche Luxemburger auf der Suche nach Arbeit wanderte die Familie, Vater, Mutter sowie die vier Kinder Michel, Jean-Baptiste, Dominique Jean und Catherine aus, 1884 nach Brüssel und anschließend nach Paris.

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Hier ging Michel zur Schule, erlernte den Beruf eines Kunstschreiners, zog in den Vorort Saint-Mandé und schloss sich dem dortigen Sportverein Club amical et sportif de Saint-Mandé an. Der Sekretär des Clubs schrieb den begnadeten Langstreckler Theato dann auch unter den Farben des Vereins zum Marathon des fortifs, wie der Wettbewerb entlang der früheren Festungsmauern genannt wurde, ein. Prompt gewann Theato unter den Klängen der Marseillaise das Rennen (in 2.59'45“), vor dem Franzosen Emile Champion und Ernst Fast aus Schweden.

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In einer Atmosphäre des übersteigerten Nationalismus wies niemand darauf hin, dass Theato eigentlich Luxemburger war und dass er die Medaille eigentlich für das Großherzogtum gewonnen hatte. Ihm selbst schien die Frage, dass er unter der falschen Staatsbürgerschaft den Marathon des fortifs gewonnen hatte, auch keine schlaflosen Nächte bereitet zu haben, wichtiger war das Renommée, das er aus diesem Erfolg zog und das ihm erlaubte, sich schleich anschließend dem renommierten Pariser Verein Racing anzuschließen.

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Die spätere Karriere von Theato war von kurzer Dauer. Er verbesserte sich 1901 auf demselben Parcours auf 2.42'43“, wechselte 1903 zu den Profis, er beendete aber wenig später aufgrund einer Knieverletzung seine Karriere. Verarmt, starb Michel Theato 1919 im Hospital von Kremlin-Bicêtre. Erst 1990 tauchte der Name von Theato wieder aus den Tiefen der olympischen Geschichte auf, aufgrund eines Artikels im Periodikum „Lettre de l'athlétisme“ sowie von „L'Equipe Magazine“ („Ce champion olympique n'était pas français“). Die anschließenden Bemühungen luxemburgischerseits, in der offiziellen Statistik des Internationalen Olympischen Komitees die Goldmedaille Luxemburg zugute schreiben zu lassen, blieben erfolglos. Zum einen verwies das IOC auf die Regel 25 der Olympischen Charta, die freilich neueren Datums ist, und die besagt, dass drei Jahre nach dem Ende der jeweiligen Olympischen Spiele die Resultate definitiv sind. Bei einem Besuch in Luxemburg 2004 argumentierte der damalige IOC-Präsident Jacques Rogge, für das IOC sei nicht die Nation ausschlaggebend, für die der Athlet starte, sondern das Nationale Olympische Komitee, und das habe 1900 nun einmal noch nicht existiert.

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Ein Kongress als Türöffner für die olympische Anerkennung

Im Vergleich zu anderen Ländern kann Luxemburg im olympischen Sport durchaus als verspätete Nation bezeichnet werden. Bis auf wenige Zeilen in den Zeitungen waren die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen kein Thema in unserem Land. Idem für die Spiele 1900 in Paris und diejenigen 1904 in St-Louis in den USA. Luxemburg tauchte erst 1910 auf der Landkarte des Sports auf, aufgrund glücklicher Umstände und vor allem durch die Beziehungen und das Geschick eines Mannes, nämlich Maurice Pescatore. 

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  • Gutgelaunte Teilnehmer am Kongress des IOC vom 11. bis 13. Juni 1910 in Luxemburg. Bei einer Kongresspause gönnen sich einige der IOC-Oberen auf der Treppe des hauptstädtischen Casinos eine Zigarre. Zweiter von links in der mittleren Reihe ist IOC-Präsident Pierre de Coubertin© Archiv Gricius

1909 hatte das IOC seine Session in Berlin abgehalten und im Prinzip sollte man sich ein Jahr später in Budapest treffen. Es gab aber eine Anfrage der ungarischen Kollegen um eine Verlegung, aus innenpolitischen Gründen, auf 1911. In seinen „Mémoires olympiques schreibt Coubertin: „J'accepte avec empressement la demande de nos collègues hongrois motivée par des convenances locales de l'ajourner à 1911. Je savais que la session de Budapest serait très mondaine et désirais intercaler entre Berlin et Budapest und réunion de travail dans une ville plus neutre. Luxembourg avait déjà été pressenti.“

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Warum gerade Luxemburg, das keinen Vertreter im Internationalen Olympischen Komitee hatte, und nicht etwa Brüssel? Belgien hatte immerhin seit 1906 ein Nationales Olympisches Komitee und seinerzeit mit Henri de Baillet-Latour ein einflussreiches Mitglied im sehr exklusiven Gremium des IOC. In seinen „Mémoires olympiques gibt Coubertin keine direkte Antwort auf diese Frage, man kann aber wohl annehmen, dass mehrere Elemente die Entscheidung für Luxemburg motivierten. Die internationale olympische Bewegung war Anfang des 20. Jahrhunderts auf wenige Länder beschränkt und unter dem Impuls von Coubertin auf Expansionskurs. Zum anderen hatten die Verantwortlichen des Sports in Luxemburg 1909 mit der Organisation eines Grand Concours International de Gymnastique europaweit auf sich aufmerksam gemacht.

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Vor allem aber dürfte Maurice Pescatore aufgrund seiner Beziehungen seine Hand im Spiel gehabt haben, dass die Session von 1910 in Luxemburg tagte. Pescatore, 1870 auf Schloss Giscours unweit von Bordeaux geboren, war eine Art Hans Dampf in allen Gassen des Luxemburger öffentlichen Lebens. Seinerzeit Direktor der Faïencerie Villeroy & Boch in Septfontaines, Bürgermeister der Gemeinde Rollingergrund und Abgeordneter für Luxemburg-Land auf der liberalen Liste, hatte Pescatore den Ruf eines brillanten und auch gefürchteten Redners in der Chamber, er war u.a. Berichterstatter beim Schulgesetz von 1912.

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Pescatore war mit Gabrielle Barbanson aus Belgien, der Schwester von Gaston Barbanson, einer der Gründer der Arbed, verheiratet und pflegte enge Kontakte zu Personen der belgischen Oberschicht.In seiner „Biographie nationale du pays de Luxembourg“ bezeichnet Jules Mersch Pescatore quasi als den perfekten Sportler: „A le voir marcher d'un pas élastique, l'entendre marteler ses paroles, d'une voix presque trop métallique, percevoir les éclairs que jetaient des yeux qui trahissaient un dynamisme parfois exaspérant – on était subjugué par cet homme qui représentait le vrai type du sportif, au physique et au moral. Il fut, peut-être, écrivit un de ses nécrologues, le premier et, en tout cas, le plus universel, le plus total de nos sportifs. Joueur de tennis et bicycliste de la première heure, patineur élégant, cavalier hors ligne, tireur, nageur, alpiniste à l'occasion, sachant manier le fleuret et l'épée, connaissant l'épervier et l'hameçon, la voile et l'aviron, le volant et les rênes, le fusil et, même, la charrue, rien ne lui était étranger de la vie au grand air. Il fallait le rencontrer en été en cavalier superbe et solitaire au Grengewald, sur les traces de son arriére grand-père Antoine, pour se faire une idée presque romantique de cet être supérieur. Tout ce qu'il entreprenait, il le faisait en sportif.“

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Seit 1894 bei einer denkwürdigen Sitzung an der Pariser Sorbonne der Beschluss gefasst wurde, wieder Olympische Spiele einzuführen, fand die Session des IOC im Prinzip alljährlich statt, mit der Organisation betraut wurde das jeweilige Nationale Olympische Komitee bzw. dessen Vorgänger. Problem für Luxemburg: 1910 gab es im Großherzogtum noch kein NOK, als einzige Dachorganisation des Sports funktionierte die FSLSA (Fédération des sociétés luxembourgeoises de sports athlétiques). In Ermangelung eines offiziellen Gremiums, das sich der Organisation angenommen hätte, ließ Pescatore seine Beziehungen zu Regierungskreisen und zu den Verantwortlichen der Gemeinde Luxemburg spielen. Die Hauptstadt stellte die Räumlichkeiten, nämlich das damals ein Jahr zuvor fertiggestellte Cercle-Gebäude, zur Verfügung.

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Staatsminister Paul Eyschen sagte eine finanzielle Unterstützung zu und gab einen Empfang im hauptstädtischen Casino, der großherzogliche Hof lud zum Bankett ein. Bei den dreitägigen Sitzungen (vom 1. bis 13. Juni 1910) ging es vor allem um die sogenannte Amateurfrage, um das Programm der Olympischen Spielen 1912 in Stockholm und um die Kunstwettbewerbe, die 1912 ihre olympische Premiere hatten.

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Wichtig für Luxemburg: Pescatore hatte in den Augen von Coubertin seine Feuerprobe bestanden, der französische Baron schlug den Luxemburger als neues Mitglied des IOC vor, was ein Jahr später bei der Sitzung in Budapest formalisiert wurde, und ihm Rahmen der Vorbereitung der Olympischen Spiele 1912 in Stockholm wurden auch erste Schritte zur Gründung eines eigenen NOK unternommen.

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Finanzielle Sorgen und erste offizielle Medaillen

1912 gilt als das Gründungsjahr des Luxemburger Olympischen Komitees. Wann genau das CNOL (Comité National Olympique Luxembourgeois) gegründet wurde, ist allerdings unklar, ein entsprechendes Dokument konnte noch nicht gefunden werden. Es gibt zum einen Hinweise darauf, dass in der Periode der Olympischen Spiele vom 29. Juni bis zum 22. Juli 1912 in Stockholm ein solches Komitee noch nicht existiert hat – die entsprechende Korrespondenz lief über die Regierung bzw. die beiden Verbände USLG und FSLSA – zum anderen schien zumindest für Coubertin und das IOC klar gewesen zu sein, dass das Luxemburger NOK schon im Herbst 1911 bestand.

In der „Revue olympique“ (Nr. 71 vom November 1911) steht zu lesen: „... le Comité Luxembourgeois s'est également constitué sous la présidence d'honneur de S.A.R. la Grande Duchesse Régente.“

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Mit großem Eifer setzte sich das Komitee jedenfalls daran, die Spiele 1912 in Stockholm vorzubereiten. Ein wichtiges Datum ist dabei der 30. Juni 1912 mit der Organisation auf dem Spielfeld des Racing in der Hauptstadt einer großangelegten „Fête gymnastique et sportive.“ Gezeigt wurden u.a. die Übungen und Wettbewerbe, die die Luxemburger Turner und Athleten wenig später auch in der schwedischen Hauptstadt bei den Spielen der V. Olympiade vorführen sollten.

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Schlussendlich nahm Luxemburg mit 20 Turnern und zwei Athleten teil, Delegationsleiter war Maurice Pescatore. Die sportliche Bilanz war solide mit vor allem dem vierten Platz der Turner im Teamwettbewerb. Lob für die Mannschaftsstärke gab es u.a. von Coubertin: In seinen „Mémoires olympiques“ ist zu lesen: „Le Luxembourg a montré à Stockholm une équipe qui l'égalait (gemeint ist damit Japan, das im Absatz vorher erwähnt wird) à nombre de concurrents possédant de bien autres ressources.“  Finanziell kam man über die Runden, auch wenn die Luxemburger Regierung nur ein mageres Subsid von 1.500 Franken bewilligt hatte. Pescatore steuerte zusätzliche 10.000 Franken bei, die Großherzogin Marie Adelheid spendete 500 Franken.

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Wie ein roter Faden ziehen sich die finanziellen Sorgen durch die ersten drei Jahrzehnte der Geschichte des Luxemburger NOK. Die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele, die Reisen und die Unterkünfte kosteten Geld, die Regierung war aber recht knauserig, um den einheimischen Sport zu unterstützen. Andere Geldquellen gab es kaum.

 

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Pescatore wandte sich zum Beispiel 1919 im Hinblick auf die Olympischen Spiele 1920 in Antwerpen direkt an die Regierung: „Anvers, où auront lieu en 1920 les Jeux Olympiques, attirera certainement nombre de nos athlètes. Cela mérite d'être largement encouragé par les pouvoirs publics.“ Nachdem mit der FLPHL (Fédération Luxembourgeoise des Poids et Haltères et de Lutte) neben der FSLSA und der USLG ein dritter Verband gegründet worden war, sah der CNOL in seiner Not keinen anderen Weg, als die Verbände aufzufordern, direkt bei der Regierung ein Subsid anzufragen. Ein Zuschuss von 15.000 wurde schlussendlich genehmigt, aufzuteilen unter die USLG und die FSLSA. Mit einem ironischen Unterton bedankte sich der „Gymnaste“, das offizielle Organ der Turner, bei der Chamber: „Wir wissen denen Dank, die endlich erkannt haben, dass schließlich der Staat, der so unendlich viel für die Viehrassen tut, auch ein wenig die Pflicht hat, sich um die Verbesserung und Veredelung der Menschenrasse zu kümmern.“

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In Zusammenhang mit den Spielen in Antwerpen, wo der Luxemburger Gewichtheber Joseph Alzin (1893-1930) beim Gewichtheben die Silbermedaille in der Schwergewichtskategorie errang, indem er 260 Kilo stemmte und so Luxemburg die erste offizielle olympische Medaille bescherte , kam es zum Eklat. Für die Unterkunft der zahlenmäßig großen Mannschaft – erstmals waren die Fußballer dabei – verlangten die belgischen Organisatoren einen Vorschuss von 6.250 Franken. Das CNOL beschloss, den in ihren Augen maßlos hohen Betrag nicht zu zahlen, was die Verwerfungen führte. Das IOC sowie Gerichte wurden eingeschaltet, belgische Mannschaften drohten, die Luxemburger Verbände zu boykottieren. 1925 wurde die Schuld abgezahlt.

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Zugleich leistete das Komitee eine solide Arbeit, um dem Luxemburger Sport eine gewisse Basis zu vermitteln. Pescatore, der übrigens für die Zeit von 1912 bis 1922 die Präsidentschaft des CNOL seinem Freund Robert Brasseur überlassen hatte, war als liberaler Abgeordneter Berichterstatter des Schulgesetzes von 1912, in dem zum ersten Mal der Sport in den Primärschulklassen als obligatorisch erklärt wurde. Vor allem Aloyse Kayser engagierte sich im Sinne des Schul- und des Jugendsports. Der Abgeordnete und Sekretär der USLG leistete Pionierarbeit mit seinem Gesetzesprojekt von 1920 zur körperlichen Erziehung der Jugend. Die Idee wurde aufgegriffen, … aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Dass eine solide Vorbereitung das A und das O für Leistung und Anerkennung bei den Spielen ist, zeigten im Hinblick auf die Spiele 1924 in Paris weniger die Sportler als die Kunstschaffenden. Kunstwettbewerbe standen auf Betreiben Coubertins ab 1912 auf dem olympischen Programm, für Luxemburg war die Teilnahme aber anfangs kein Thema, was überraschen kann, da 1910 eben bei der Tagung im Großherzogtum lange und kontrovers hierüber diskutiert worden war.

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Während der Sport sich noch Anfang Juli 1924 über die schleppende Vorbereitung im Sport echauffierte („Überhaupt war das ganze Training nur der Privatinitiative überlassen. Von systematischer Vorbereitung keine Spur.“), berief das CNOL bereits Ende 1922 eine Kommission ein, um das Interesse der Luxemburger Kunstschaffenden auszuloten. Das Resultat ist bekannt, ein Werk des Zeichners und Kunstmalers Jean Jacoby wurde mit Gold ausgezeichnet – es war dies die erste offizielle Goldmedaille für Luxemburg – und der Bildhauer Frantz Heldenstein durfte sich über Silber freuen. Sportlich machte Lory Koster auf sich aufmerksam, indem die Schwimmerin über 200 m Brust das Finale erreichte.  

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Im Komitee ging es nach den Spielen in Paris drunter und drüber. Auguste Razen versuchte, den Präsidenten Maurice Pescatore zu stürzen, der nach einigen Schlichtungsversuchen das Handtuch warf. Ein Jahr später leitete Gust. Jacquemart Reformen ein, erste Statuten wurden erarbeitet - aus dem CNOL wurde das COL, das Comité Olympique Luxembourgeois -, die Rolle der Verbände wurden neu definiert, Normen für die Teilnahme an den Spielen eingeführt. 

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  • © Archiv Bressler
    Turnfest auf dem Rasen des Velodroms in Belair 1922

Radsportler gegen Fußballer und die Frage des Boykotts der Berlin-Spiele

Ein Dauerthema in den zwanziger Jahren war das Fehlen eines Nationalstadions für den Luxemburger Sport. Die Anlagen der hauptstädtischen Fußballvereine Racing (auf dem Glacis in Limpertsberg) und Sporting (an der aktuellen Place Churchill) bzw. deren Nachfolger erwiesen sich als zu klein für großangelegte sportliche Veranstaltungen. 1928 wurde der Architekt Schoenberg vom hauptstädtischen Gemeinderat mit der Errichtung eines „stade communal“ an der Route d'Arlon beauftragt. Dieses Stadion sollte eine Fußball- und Leichtathletik-Arena sein, ohne Velodrom.   

 

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  • © Archiv Sportministerium
    Ein kommunales Stadion ohne Radpiste? Die Polemik war vorprogrammiert

Das war aber überhaupt nicht nach dem Geschmack der Radsportanhänger, die Gust. Jacquemart , der seinerzeit Präsident des COL und der FLF war und zudem dem Gemeinderat der Stadt Luxemburg angehörte, vorwarfen, die Interessen des Radsports zu vernachlässigen. Es folgten erbitterte Diskussionen, die beiden Vertreter der FSCL demissionierten beim COL. Dabei gab es, einen Katzensprung vom geplanten Stadion entfernt, an der anderen Seite der Route d'Arlon, seit 1921 ein Velodrom. Diese Bahn war allerdings 1925 aus finanziellen Gründen an eine belgische Immobiliengesellschaft veräußert worden, die die Anlage aber kaum unterhielt. Erst unter der deutschen Besatzung wurde die Bahn aus Beton erneuert.

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Das COL schlug im Einverständnis mit der Luxemburger Regierung einstimmig Alphonse Nickels vor, seinerzeit administrativer Direktor der Arbed und Präsident der liberalen Partei. Das IOC ließ sich ganze vier Monate Zeit mit einer Antwort, ehe es Marc Schoetter nominierte. Schoetter, der aus dem Wintersport kam, war damals Vizepräsident des COL und hatte innerhalb des Luxemburger Komitees für Nickels als Pescatore-Nachfolger gestimmt. Hatte Schoetter ein falsches Spiel betrieben? Wohl eher nicht, Dokumente legen nahe, dass das IOC gemäß seinem Selbstverständnis als self-recruiting body Personalentscheidungen in Eigenregie regeln wollte. Seinerzeit war der Wintersport, der 1924 in Chamonix seine olympische Premiere hatte, innerhalb des IOC unterrepräsentiert. Deshalb wollte man Schoetter als Mitglied. Aufgrund des anhaltenden Widerstands aus Luxemburg vertagte IOC-Präsident Baillet-Latour die Entscheidung. Erst 1946 wurde nach langen 17 Jahren Vakanz des Luxemburger Sitzes in Lausanne mit dem damaligen Erbgroßherzog Jean wieder ein Luxemburger zum IOC-Mitglied gewählt. 

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Die Diskussionen um die Olympischen Spiele 1936 in Berlin erreichten nach der Machtergreifung der Nazis 1933 und der Aussicht auf Nazi-Propagandaspiele Luxemburg erst relativ spät. In den Nouvelles Sportives erwähnte Jacques Dieschbourg in Februar 1933 zwar die Diskriminierungen der jüdischen Sportler in Deutschland, er betonte aber zugleich den in seinen Augen unpolitischen Charakter des Sports. Die Diskussionen in Luxemburg drehten sich eher um das Dauerthema Finanzierung sowie um den Fußball, bei dem wegen der Amateurfrage lange nicht klar war, ob er in Berlin auf dem Programm stehen würde.

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Als die Spiele näher rückten, wurden die Debatten, ob man sich der Boykottbewegung anschließen sollte, weniger in Sportlerkreisen („Sport ist unpolitisch“) als in der Öffentlichkeit geführt.In der Chamber setzten sich die Abgeordneten Biever, Fohrmann und Bodson von der Arbeiterpartei vehement gegen eine Teilnahme ein, ebenfalls das „Tageblatt“ war für den Boykott. Mit der Unterstützung der Luxemburger Regierung – auch finanziell – war schlussendlich eine zahlenmäßig große Luxemburger Mannschaft präsent. Auch am Jugendzeltlager nahm man teil, ließ sich aber nach Aussagen von Alex Jacquemart, dem Sohn von Gust. Jacquemart, der zur Delegation gehörte, nicht durch die Popaganda-Show der Nazis verblenden: „Mir wossten, d'Preise si Preisen a mir waren net frou mat de Preisen. Mir waren do fir ze kucken. Et war keng preisefrëndlech Atmosphär bei eis, bei kengem vun eis alleguer.“

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Sport unter der Fuchtel der Nazis

Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Luxemburg am 10. Mai 1940 und der Besatzung war es während vier Jahren mit der Autonomie und den demokratischen Strukturen des Luxemburger Sports vorbei.

Wenn in einer ersten Phase die deutsche Militärverwaltung kaum Interesse am Sport zeigte – nur der Brieftaubensport, seinerzeit sehr beliebt, wurde verboten -, setzte sich die Zivilverwaltung unter Gauleiter Gustav Simon ab Ende Juli 1940 dran, den Luxemburger Sport zu gängeln, zu kontrollieren, ihn seiner finanziellen Mitteln zu berauben und ihn schließlich in die Strukturen des Großdeutschen Reiches zu integrieren.

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Der von Gauleiter Simon am 28. August ernannte Stillhaltekommissar für das Organisationswesen in Luxemburg, Franz-Georg Schmidt, ging systematisch vor, in einer ersten Phase mussten die Verbände und die Vereine ihr Vermögen deklarieren – es wurde später konfisziert - und sich bis Ende September einen neuen, deutschen Namen zulegen. Der Hitlergruß wurde vor den Veranstaltungen Pflicht, aus der FLF wurde der LFV (Luxemburger Fußball-Verband), die FLA nannte sich LLV (Luxemburger Leichtathletik-Verband). Ab Mitte Oktober sollten Verbände und Vereine „judenfrei“ sein. Offiziell „Heim ins Reich“ geholt wurde der Luxemburger Sport ein Jahr später mit einem groß aufgezogenen Propaganda-Sportfest am 11. und 12. Oktober 1941 im „Stadion der Stadt Luxemburg“ an der Arloner Straße. 167 Vereine wurden in den NSRL (Nationalsozialistischer Reichsbund der Leibesübungen) aufgenommen, der Luxemburger Sport gehörte fortan dem Gau Moselland mit Sitz in Koblenz an. Ein eigenständiges Luxemburger Olympisches Komitee konnte unter diesen Umständen nicht weiterbestehen. Folgerichtig hat der Stillhaltekommissar am 18. Juli 1941 das COL aufgelöst: „Organisation (Luxemburgisches Olympisches Komitee) wird im Zuge der Neuordnung des Organisationswesens mit sofortiger Wirkung gelöscht. Das Vermögen wird zugunsten des Aufbaues im Bereiche Luxemburg eingezogen.“

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  • © Archiv Bressler
    Ein Steherrennen im Velodrom in Belair kündigt sich 1942 an
  • © Archiv Bressler
    Die Fußballspieler von „Stadt“ Düdelingen laufen im hauptstädtischen Stadion auf zum Vorrundenspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Schalke 04
  • © Archiv Bressler
    Plakat zum Spiel Schalke 04 gegen „Stadt“ Düdelingen am 10. Mai 1942

In dieser Zeit der Besetzung durch Nazi-Deutschland ruhte der Sportbetrieb in Luxemburg nicht, er kannte sogar eine gewisse „Blütezeit“, die allerdings in den Nachkriegsjahren und auch später kaum thematisiert worden ist. Ist es einerseits verständlich, dass die Verbände und Vereine sich auf diese Weise von dem Teil ihrer Geschichte, wo sie nicht Herr im eigenen Haus waren, distanzieren wollten, so kann durchaus eine Kontinuität festgestellt werden zwischen der systematischen Aufbauarbeit, die innerhalb des Sportgaus Moselland betrieben wurde, und den Leistungen, die Luxemburger Sportler in den fünfziger Jahren zustande gebracht haben.

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Die Luxemburger Sportgeschichte, die in den Jahren 1940 bis 1944 geschrieben wurde,ist aber nicht ausschließlich Sportgeschichte gewesen: Leid und Leiden durchziehen die Biographien. Sport war in diesen Jahren kein Selbstzweck, Sport schützte nicht vor Zwangsrekrutierung oder vor Deportation. Der Bruch, der in dieser schmerzhaften Periode durch das Luxemburger Sportgeschehen ging, hatte einerseits mit ängstlicher oder beflissentlicher Anpassung an die neuen politischen Machtverhältnisse zu tun, aber in anderen Fällen auch mit politisch verstandenem Widerstand.

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Voluntaristische Sportpolitik und Aufbruchstimmung allenthalber

Nach der Befreiung von Nazi-Deutschland herrschte Aufbruchstimmung im Luxemburger Sport. Eile schien geboten, so als wollte man die zwanziger und dreißiger Jahre, in denen die Landespolitik den Sport betont stiefmütterlich behandelt hatte, schnellstmöglich vergessen lassen. Fakt ist, dass Aloyse Kayser, Abgeordneter und Generalsekretär des CNOL von 1912 bis 1919, bereits 1920 ein Gesetzesprojekt zur Körpererziehung ausgearbeitet hatte. Dieses Projekt, das Kayser am 26. Oktober 1920 in der Abgeordnetenkammer hinterlegt hatte, ging nie auf den Instanzenweg, sieht man einmal von der Schaffung eines Conseil Supérieur de l'Education Physique ab (8. Mai 1930).

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  • Alex Servais war in der Nachkriegszeit erster Regierungskommissar für Sport © Archiv Sportministerium
  • Dr. Charles Marx war in der ersten Nachkriegsregierung für die physische Erziehung zuständig © Archiv Sportministerium

Beim Arrêté grand-ducal du 8 octobre 1945 concernant l'éducation physique, l'organisation sportive et l'hygiène sociale überrascht das frühe Datum – der 8. Oktober 1945 – der Veröffentlichung im „Memorial“.

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Erst mehr als zwei Wochen danach hielt das COL nach Kriegsende seine erste Sitzung ab. Dieser zeitliche Abstand zwischen dem Neubeginn der Aktivitäten auf der staatlichen Ebene auf der einen und des COL auf der anderen Seite erklärt sich vor allem durch den Umstand, dass COL-Präsident Gust. Jacquemart, COL-Mitglied Léon Hamus und Alex Servais, der Schatzmeister und Pressedelegierter des COL werden sollte, den Text in seinen Grundlinien während der Zeit der Besatzung ausgearbeitet hatten. „Onst Sportgesetz“, wie das Gesetz stolz genannt wurde, stammte demnach nicht aus der Feder von Mitarbeitern des Ministeriums, sondern vom Luxemburger NOK. Tatsächlich wurde erst am 14. November 1945 eine Regierungsmannschaft der nationalen Union aufgestellt, Charles Marx von der Kommunistischen Partei war hier für die Physische Erziehung zuständig. Der Text des Sportgesetzes wurde höchstpersönlich von Prinz Félix der Regierung übergeben, wie Alex Servais stolz in Annuaire des Sports 1947-1948 notiert: „Le lendemain de l'inoubliable 10 septembre 1944, le texte du projet de loi, terminé déjà au moment du débarquement des forces alliées en Normandie, fut remis par Monsieur Jacquemart au Palais grand-ducal entre les mains de S.A.R. le Prince Félix de Luxembourg, qui le confia avec tout le poids de Sa haute autorité au Gouvernement. Une commission gouvernemantale fut aussitôt instituée.“ Was den Inhalt dieses ersten Sportgesetzes betrifft, so fällt auf, dass eigentlich nur sehr wenig von Sport die Rede ist, sondern eher von Körpererziehung, von gesundheitlichen und pädagogischen Zielsetzungen, von Hygiene und … von Ehrenabzeichen (Médaille du mérite sportif). In Artikel eins wird die Kontrolle der staatlichen Instanzen festgeschrieben: „L'éducation physique de la jeunesse, la pratique des sports et le scoutisme sont placés sous le contrôle de l'Etat.“ Gleich fünf Artikel beschäftigen sich direkt mit der Körpererziehung, die für die beiden Geschlechter obligatorisch wird: „L'éducation physique est obligatoire pour la jeunesse des deux sexes pendant le temps de la scolarité (primaire, postscolaire, professionnelle et secondaire) et pendant l'apprentissage.“ (Artikel 2). Zudem wurde das Nationale Sportabzeichen, das schon durch ministeriellen Beschluss am 10. Juni 1939 geschaffen worden war, relanciert.

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Die Epuration aufgrund von unpatriotischer Haltung oder Tätigkeit während der Besatzungszeit war logischerweise auch ein Thema im Sport, beim Conseil Supérieur d'Education Physique, dem COL und verschiedenen Verbänden. Die Linie, die man verfolgte, bestand im wesentlichen darin, diejenigen von den Verbandsaktivitäten auszuschließen, die von einem zivilen Tribunal verurteilt worden waren. Eine weitere Frage war die des Umgangs mit den Leistungen der Luxemburger Sportler während der Kriegsjahre. So stellte der Leichtathlet Charles Heirendt am 12. Oktober 1941 im hauptstädtischen Stadion bei der Feier zur Aufnahme der Luxemburger Vereine in den NSRL mit 15'03“0 einen neuen Luxemburger Rekord im 5000-m-Lauf auf. Die FLA, also der demokratische gewählte Luxemburger Verband, war zu diesem Zeitpunkt schon aufgelöst. Den Rekord anerkennen oder nicht, an dieser Frage schieden sich die Geister. Schlussendlich erkannte die FLA diesen Rekord und weitere Bestleistungen nicht an.

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Im Hinblick auf die Sitzung des IOC Anfang September 1946 in Lausanne ergriff Gust. Jacquemart die Initiative, der Präsident des COL agierte diskret, aber zielführend: Prinz Jean, der Luxemburger Erbgroßherzog, wurde als Mitglied des IOC aufgenommen.

Die olympischen Spiele 1948 in London konnten kommen, verbunden mit einer ersten spektakulären Aktion des künftigen Luxemburger Staatsoberhauptes: Prinz Jean erreichte, dass der Fackellauf der olympischen Flamme Luxemburg durchquerte, zum ersten und bisher zum einzigen Mal.

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  • Sternstunde des Luxemburger Sports, der 1500-m-Triumph von Josy Barthel bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki © Archiv Sportministerium
  • © Archiv Sportministerium
    Erbgroßherzog Jean überreicht die Goldmedaille an Josy Barthel.
  • Ein Teil der Luxemburger Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne, zusammen mit dem erbgroßherzoglichen Paar © Archiv Sportministerium

Olympisches Gold und keine Konsequenzen

Am 26. Juli 1952 war es so weit, dass Luxemburg sich über seine erste offizielle Goldmedaille im Sport freuen konnte. Der Leichtathlet Josy Barthel gewann in Helsinki das Finale im 1.500-m-Lauf. Es war dies nur eine halbe Überraschung, der Spora-Athlet ging zwar nicht als Topfavorit ins Rennen, er war aber auch nicht als chancenlos angesehen worden. Die beiden Deutschen Rolf Lamers und Werner Lueg machten den Fehler, unterwegs das Tempo nicht  hoch genug zu halten, so dass sie Barthel in die Karten spielten. So wie es eigentlich seine Taktik gewesen war, spielte der Luxemburger auf den letzten 300 Meter seine Spurtstärke aus. Er gewann vor Bob McMillen aus den USA und Lueg. 

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Das war die schöne Geschichte des David aus Luxemburg, der den Goliath aus Deutschland besiegt. Acht Jahre nach Kriegsende und der Besatzung durch Nazi-Deutschland hatte diese Sternstunde des Luxemburger Sports auch einen nicht unwesentlichen sportpolitischen Aspekt. Helsinki 1952 markierte die Rückkehr Deutschlands auf die olympische Bühne. Die Spiele von 1940 und von 1944 waren dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen und für London 1948 war die deutsche Mannschaft nicht eingeladen worden. In Helsinki stellte der 1.500-m-Lauf die letzte Chance für Deutschland dar, Gold zu gewinnen. Chance verpasst, dabei war ausgerechnet ein deutscher Trainer direkt daran beteiligt. Im Winter 1951/52 hatte der Luxemburger Leichtathletikverband den renommierten Trainer Woldemar Gerschler engagiert, der Barthel in Olympiaform brachte und ihm auch das nötige Selbstvertrauen vermittelte. Dass ein „Preiss“ die Luxemburger Athleten für Olympia vorbereiten sollte, war teils hart kritisiert worden. In Helsinki betrieb Gerschler eigentlich ein Doppelspiel. Er wurde als Mittelstreckentrainer der deutschen Mannschaft akkreditiert und führte einen Luxemburger zum Olympiasieg. In den Cahiers Luxembourgeois (Nr. 4, 1952) hatte Professor Ernest Bisdorff seine Freude an diesem Coup: „Il est vrai que ces chers Allemands eurent le plus grand mal à digérer une victoire qui renversa à la fois leur idole Werner Lueg et la dernière chance qui leur restait de remporter une médaille d'or en athlétisme. Pour comble de malheur, un sort fumiste avait voulu qu'un seul et même homme entraînant l'équipe allemande et celle du Luxembourg. O rage, ô désespoir, la victoire du Luxembourgeois fut l'oeuvre consciente et calculée d'un Allemand! Car il est évident que, passant d'un camp à l'autre, admis dans l'intimité des adversaires, connaissant leurs forces et leurs faiblesses, il révélait au Luxembourgeois la stratégie allemande … O pauvre Allemagne qui, dans tes débâcles, trouvas toujours trop tard le félon qui t'avait perdue.“

Den Olympiasieg als Sprungbrett zu nutzen, um den Luxemburger Sport und die Leichtathletik voran zu bringen, diese eigentlich naheliegende Idee wurde nicht aufgegriffen. Vier Jahre später geißelte Barthel im Vorfeld der Olympische Spiele in Melbourne diese Laisser-faire-Politik: „Meine Mutter tat mehr für meine Kollegen als die ganze Föderation, beim Präsidenten angefangen. Es ist höchste Zeit, dass in dieser Hinsicht etwas unternommen wird, ansonsten läuft die Luxemburger Leichtathletik Gefahr, rückwärts zu gehen“, erklärte der Olympiagewinner in einem „Revue“-Interview. Es sollte bis zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom, die in der Luxemburger Öffentlichkeit als Schiffbruch wahrgenommen wurden, dauern, bis die Alarmglocken schrillten und mit dem Livre Blanc neben den Verbänden und dem COL vor allem die Politik in die sportpolitische Verantwortung genommen wurde. 

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  • Die Leichtathleten Ramon Humbert, Charles Sowa, Boy Bofferding, Félix Heuertz und Jean Aniset bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom © Archiv Sportministerium
  • © Archiv Bressler
    Ästhetik und Kraft, der Kunstturner Josy Stoffel.

Ein sportlicher Tiefpunkt mit Konsequenzen

Die Resultate der 53 Luxemburger Athletinnen und Athleten - eine Rekordzahl - bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom waren in der Bilanz eher unbefriedigend, die Luxemburger Öffentlichkeit nahm sie aber als Fiasko wahr. Dies hatte vor allem damit zu tun, dass weniger die sportlichen Leistungen im Vorfeld der Spiele in der Ewigen Stadt für die Selektionen maßgebend waren, sondern dass die Fachverbände mit dem COL feilschten, wie viele Vertreter sie denn zugute haben sollten.

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Im Vorfeld ging man von einer Zahl zwischen 40 und 100 Sportlern aus, später kam das Aus für die Fußballer und die Basketballspieler beim Qualifikationsturnier. Doch auch die Verbände, die nicht berücksichtigt worden sollten, sollten nicht leer ausgehen, finanziell versteht sich, ihnen wurde eine finanzielle Unterstützung von insgesamt 75.000 Franken zugestanden. Die Leichtathletik setzte durch, dass sechs Athleten selektioniert wurden - das COL hatte deren fünf vorgeschlagen -, die Schwimmer waren mit vier Vertretern dabei anstatt wie vorgesehen mit drei. Für all dies zeigte die sportinteressierte Öffentlichkeit kaum Verständnis. Symptomatisch: Bereits im Vorfeld versuchte COL-Präsident Paul Wilwertz sich angesichts der zu erwartenden wenig glanzvollen sportlichen Bilanz mit der Aussage zu rechtfertigen, Luxemburg könne „stolz darauf sein, dass wir vielleicht noch das einzige Land sind, das reine Amateursportler zu einer Olympiade delegieren kann.“

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  • Am 20. Februar 1962 nahm Erbgroßherzog Jean das erste Exemplar des Livre Blanc in Empfang © Archiv COSL

So oder so, das COL stellte sich seiner Verantwortung und dem Ruf nach Reformen in der Luxemburger Sportpolitik. Nur anderthalb Monate nach den Spielen in Rom ergriff das COL unter Wilwertz die Initiative zu einer Table Ronde. Rund 30 Personen mit Verantwortlichkeiten im Sport sollten eine breite Bestandsaufnahme der Strukturen des Sports vornehmen und Wege zu grundlegenden Reformen ausloten. Das Resultat war ein Livre Blanc mit dem sehr neutral klingenden Titel „L'Education Physique et les Sports au Grand-Duché de Luxembourg“. Geradezu revolutionär ist die Forderung, das Primat der intellektuellen Fächer gegenüber den anderen Disziplinen, also der Körpererziehung, in Frage zu stellen.

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In Frage gestellt wurde u.a. auch die geographische Verteilung der Infrastrukturen, Hallen und Spielfelder. Einige seien überlastet, andere würden kaum genutzt. Unter der Federführung der Nationalen Sportschule sollte die Trainerausbildung von Grund auf reformiert werden, weiterhin müsse massiv in die Infrastrukturen investiert werden. Der ganze Leistungssportbereich mitsamt der Förderung und der Selektionen für die Olympischen Spiele sollte neu definiert werden, wobei es damals vor allem aufgrund des internationalen Umfeldes noch zu früh war, um einer Professionalisierung das Wort zu reden. Diese Öffnung fand international erst 1981 beim IOC-Kongress in Baden-Baden statt.

Die Autoren des Livre Blanc scheuten sich nicht, vor allem für die zu errichtenden Sportstätten, einen entsprechenden ambitiösen finanziellen Rahmen zu entwerfen, die Rede war von 50 Millionen Franken pro Jahr, während sieben Jahren. Zu kostspielig? Keineswegs, so das Argument, diese Summe entspreche nur 0,48 Prozent des Gesamtbudgets des Staates. Das COL beschickte die Olympischen Spiele 1964 in Tokio und 1968 in Mexiko-Stadt mit im Vergleich zu Rom deutlich abgespeckten Delegationen und durchwegs vorzeigbaren Resultaten.

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Die Restrukturierung des Olympischen Komitees war im Dezember 1974 abgeschlossen. Ein wesentlicher Punkt war die Bestimmung, dass künftig nicht einzelne Personen, sondern Fachverbände Mitglieder des Komitees, das sich den Namen Verwaltungsrat gab, waren. Das Sportgesetz wurde 1976 von der Chamber verabschiedet. In diese Jahre des Umbruchs fiel auch die Organisation in Luxemburg der 71. Session des IOC im September 1971. Hohe Erwartungen waren mit diesem Treffen der IOC-Oberen verbunden, sollte doch eine Lösung in der Frage des Amateurismus gefunden werden. Bis dahin galt die Regel, dass die Athleten nicht das Recht hatten, einen materiellen Vorteil aus ihrem Sport zu ziehen, eine Bestimmung, die massiv umgangen wurde mit z.B. in den osteuropäischen Ländern dem Modell der so genannten Staats-Amateure, die zumeist als Armeeangehörige vom Staat bezahlt wurden, um unter besten Bedingungen Sport zu treiben und Medaillen zu sammeln.

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Doch IOC-Präsident Avery Brundage, der im Vorfeld der Session Sympathien bekundet hatte, den olympischen Sport für alle, Amateure und professionelle Athleten, zu öffnen, ruderte zurück. „Der Amateursport soll nur eine Nebentätigkeit sein und die Teilnehmer an den Olympischen Spielen müssen beweisen, dass sie eine berufliche Tätigkeit außerhalb ihres Sports ausüben“, dozierte der US-Amerikaner, der Widerspruch erntete, bei der Session. Am Ende kam ein Kompromiss zustande, der darin bestand, dass man die Frage um den Amateurstatus, so wie er in der Regel 26 der olympischen Charta niedergeschrieben war, auf die Zeit nach 1972 und den Olympischen Spielen in München aufschob. Schlussendlich dauerte es noch bis 1981, bis unter dem neuen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch beim Kongress in Baden-Baden der altehrwürdige, aber von der Entwicklung überholte Amateur-Status zu Grabe getragen wurde.

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Wenn in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin die Frage eines Boykotts sich in Luxemburger Sportlerkreisen eigentlich kaum stellte, so führte die von den USA ausgehende Initiative, die Spiele 1980 in Moskau zu boykottieren, nachdem die Sowjetunion im Dezember 1979 Afghanistan besetzt hatte, zu für Luxemburger Verhältnisse ungewohnt heftig geführten Kontroversen, bei denen die Einheit der Luxemburger Sportbewegung zeitweilig auf dem Spiel stand. In jenen Monaten nach Januar 1980, als der US-Präsident Jimmy Carter das amerikanische NOK dazu zwang, den Spielen in Moskau fernzubleiben, wähnten sich in einer Atmosphäre des Kalten Krieges die meisten Länder des Westens in der Verpflichtung, dem Beispiel der USA zu folgen.

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Die Luxemburger Regierung unter Premier Pierre Werner richtete denn auch einen „dringenden Appell“ an das COSL, den Spielen in der sowjetischen Hauptstadt fernzubleiben. Der Verwaltungsrat des COSL und speziell Präsident Gérard Rasquin und Generalsekretär Raymond Hastert, sah sich einerseits dem Druck der Regierung ausgesetzt, zudem meldeten sich in den Verbänden Stimmen zu Wort, die für einen Boykott plädierten.

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Überdies war die Meinung innerhalb des Verwaltungsrats des COSL alles andere als einmütig, mit den Boykott-Befürwörtern auf der einen Seite und auf der anderen denjenigen, um Rasquin und Hastert, die angesichts der Entwicklungen auf der internationalen sportpolitischen Ebene möglichst abwarten wollten. Meldung und Einschreibung für Moskau mussten erst zwei Monate vor dem Beginn der Spiele erfolgen. Die Art und Weise, wie Rasquin diese Krise meisterte und eine Spaltung der Luxemburger Sportbewegung abwendete, nötigt Respekt ab. Fern jener Rhetorik, der Sport habe nichts mit Politik zu tun, pochte der Präsident auf der Autonomie des Sports, das COSL und sonst niemand habe die Entscheidung, Teilnahme oder Boykott, zu treffen. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, bei dieser Entscheidung auch die Beurteilung des internationalen politischen Umfeldes mit einfließen zu lassen. Als am 26. April 1980 bei einer außerordentlichen Generalversammlung des COSL über einen Luxemburger Boykott abgestimmt werden sollte, glückte es Rasquin, das Steuer herumzuwerfen, indem er für Konsultationen mit den anderen westeuropäischen NOK's plädierte und auf Zeit spielte. Es sei zu früh, bereits zu dem Zeitpunkt eine Entscheidung zu treffen. Die Delegierten gaben ihr Einverständnis, dass der Verwaltungsrat des COSL zum „gegebenen Zeitpunkt“ die endgültige Entscheidung treffen sollte.

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  • Kein Athlet, kein Offizieller, keine Luxemburger Fahne und auch kein Schriftzug mit dem Namen Luxemburgs bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1980 in Moskau. © Archiv COSL
  • Der Sportschütze Roland Jacoby und Mathis Marx, technischer Delegierter des Luxemburger Verbandes, bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. © Archiv COSL

Die Entscheidung wurde am 22. Mai getroffen und sah vor, dass Luxemburg rein sportlich bei den Spielen starten und nicht bei den Zeremonien und anderen offiziellen Terminen präsent sein würde. Bei der Eröffnungsfeier im Olympiastadion in Moskau beschränkte sich die Luxemburger Delegation denn auch auf zwei Personen, russische Offizielle. Der eine trug ein Schild mit der Bezeichnung COSL, in kyrillischer und lateinischer Schrift, der andere die olympische Fahne mit den fünf Ringen. Kein Sportler, keine rot-weiß-blaue Fahne und nicht einmal der Name Luxemburg.

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In einer denkbar unbequemen Situation befand sich Großherzog Jean. Als Mitglied des IOC konnte er sich verständlicherweise nicht für den Boykott aussprechen, als Luxemburger Staatschef konnte er die „dringende Empfehlung“ der Luxemburger Regierung, nicht teilzunehmen, nicht desavouieren. Der Großherzog bezog keine Stellung und nahm auch nicht an den Sitzungen des IOC in Moskau teil. Als dann in Moskau Juan Antonio Samaranch zum neuen Präsidenten des IOC gewählt wurde, gehörte der Luxemburger Staatschef zu den Ersten, die dem Spanier gratulierten.

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Die Kleinen zeigen Selbstbewusstsein

Die Idee ist im Süden Europas entstanden und im Herzen des Alten Kontinents, nämlich in Luxemburg, mit festen Zulassungsbestimmungen und technischen Regeln entwickelt worden. Als zu Beginn der achtziger Jahre Bertie Muscat, Generalsekretär des NOK's von Malta, seine Vision von multidisziplinären Spielen, die den Sportlern der kleinen europäischen Länder vorbehalten sein sollten, präsentierte, erntete er vor allem Skepsis. Die Initiative schien zwar interessant, zu viele Fragen erhielten aber keine Antwort. Wer sollte teilnehmen, welche Sportarten sollten zum Programm gehören, sollte es sich um eine Art Mini-Olympiade handeln?

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Im Hintergrund stellte sich die Frage der Haltung des IOC zu solchen Spielen. Innerhalb des Internationalen Olympischen Komitees war man seinerzeit bestrebt, mit Quoten und strengen Qualifikationsregeln die Teilnehmerzahlen bei den Olympischen Spielen zu begrenzen – auf mehr oder weniger 10.500 Sportler – und in dieser Perspektive konnte das Ansinnen, Spiele speziell für die Athleten der kleinen Länder zu organisieren, durchaus als „Einladung“ verstanden werden, diese definitiv mittels strengeren Zulassungsnormen von den großen, den Olympischen Spielen, fernzuhalten, Universalitätsideal hin oder her.

Sogar Großherzog Jean engagierte sich für die Anliegen der kleinen Länder. Traditionell sprach das Luxemburger Staatsoberhaupt in seiner Eigenschaft als dienstältestes Mitglied des IOC (seit 1983) bei den olympischen Kongressen das Schlusswort. Unmissverständlich erklärte er bei der Sitzung 1991 in Birmingham, auf Französisch, der offiziellen Sprache des IOC: „De nombreux CNO éprouvent de réelles inquiétudes face à la mise en place d'une limitation de plus en plus rigoureuse de participation individuelle aus Jeux Olympiques et face au développement du système des quotas et des épreuves de qualification. Les Jeux Olympiques, qu'il ne faut pas confondre avec des championnats du monde, doivent être ouverts aux athlètes de tous les pays en voie de développement et de plus petite dimension.“

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  • Die Fahne der JPEE, der Spiele der kleinen europäischen Länder © Archiv COSL
  • Die Spiele 1995 in Luxemburg mögen beginnen, IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch (l.) und Gérard Rasquin, Präsident des Organisationskomitees, bei der Eröffnungsfeier. © Archiv COSL
  • Das Maskottchen der JPEE 1995 in Luxemburg © Archiv COSL

Dieser Skepsis, die Mitte der achtziger Jahre im Hinblick auf die Idee von Spielen, bei denen die kleinen Länder unter sich sein sollten, vor allem in Luxemburg geäußert wurde, stand der unbekümmert wirkende südländische Enthusiasmus gegenüber. Ohne groß aufgezogene Vorbereitungsversammlungen lud das NOK San Marinos für 1985 zu den ersten Spielen der kleinen europäischen Länder ein. Seither haben sich diese Spiele fest etabliert, bisher gab es nur eine einzige Unterbrechung im Zwei-Jahres-Rythmus, die Ausgabe von 2021 in Andorra ist coronabedingt abgesagt worden.

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Das Format ist einfach mit sowohl Einzel- wie auch Kollektivsportarten und einer überschaubaren Zahl von Athleten aus den kleinen europäischen Ländern. Das sind die Nationen, die weniger als eine Million Einwohner und ein eigenes nationales NOK haben, demnach Andorra, Zypern, San Marino, Malta, Monaco, Island, Luxemburg und Liechtenstein. 2009 ist mit Montenegro ein neuntes Land hinzugekommen. Luxemburg hat diese Spiele zweimal organisiert, 1995 und 2013. In einem Beitrag zum 100. Jubiläum des COSL 2012 zieht der oftmalige Chef de mission bei den JPEE (Jeux des Petits Etats d'Europe) und vormalige COSL-Präsident Norbert Haupert eine sehr zufriedenstellende Zwischenbilanz. Die JPEE hätten in vielen Ländern zu einer Verbesserung der Sportinfrastrukturen geführt, die Perspektive, für die Spiele selektioniert zu werden, habe in Luxemburg bei den Athleten zu einer Anhebung des sportlichen Niveaus geführt. Schwachpunkte bei den JPEE gibt es allemal, u.a. dadurch bedingt, dass bei den teilnehmenden Ländern die verschiedenen Sportarten nicht gleichmäßig stark entwickelt sind. Im Radsport ist Luxemburg von Beginn an eine Macht, im Schwimmen konkurrieren regelmäßig Island und Luxemburg um die ersten Plätze, weit vor den anderen, bei den Teamsportarten gehören Basketball und Volleyball von Beginn an dazu, im Fußball waren die JPEE bisher noch kein Thema, u.a. aus Termingründen und auch weil das Interesse überschaubar ist. Im Handball ist Interesse vorhanden, der Niveauunterschied zwischen den Teams ist aber eklatant groß, mit einem absoluten Weltklasseteam aus Island und einer empfindlichen Lücke zu den anderen Mannschaften, so dass die Voraussetzungen für ein ausgeglichenes Turnier kaum vorhanden sind. Die Zukunft der JPEE scheint gesichert zu sein. Nachdem Andorra für 2021 das Handtuch geworfen hat, soll es 2023 in Malta weitergehen.

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  • Marc Girardelli, zweifacher Medaillengewinner im Ski alpin bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville © Archiv COSL

Eine Bestandsaufnahme

In der jüngeren olympischen Geschichte hat es Luxemburger Medaillengewinner gegeben … und Athleten, die an Medaillen gekratzt haben. In der ersten Kategorie ist der alpine Skifahrer Marc Girardelli zu erwähnen, der 1992 in Albertville zwei Silbermedaillen eroberte, im Riesenslalom und im Super-G. Zwei Jahre später sprangen in Lillehammer ein vierter Rang im Super-G und ein fünfter in der Abfahrt heraus. Der Fall von Girardelli ist in dem Sinn speziell, als seine Leistungen eben kein Produkt der Luxemburger Sportförderung waren, der gebürtige Österreicher, ein ausgeprägter Individualist, der Ende 1987 per Gesetz die Luxemburger Staatsbürgerschaft erhielt, war vielmehr im internationalen Skizirkus als Produkt seiner selbst und seines Vaters Helmut unterwegs.

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Als eine der Ersten, die die damaligen Luxemburger Förderungsmaßnahmen nutzten, überzeugte die Leichtathletin Danièle Kaber 1988 in Seoul mit dem siebten Rang im Marathonlauf. In der direkten Vorbereitungsphase hatte die studierte Erzieherin dank der Unterstützung des COSL in ihrem Beruf von Teilzeitarbeit profitieren können. Bei der olympischen Premiere des Triathlons 2000 in Sydney trumpfte Nancy Kemp-Arendt mit dem zehnten Platz auf, trainiert hatte die vormalige Schwimmerin und Olympiateilnehmerin (1988 in Seoul) innerhalb einer internationalen Struktur monatelang auf einer professionellen Ebene. Vollprofis in dem Sinn, dass sie bei einer Mannschaft unter Kontrakt standen, waren die Radsportler Kim Kirchen, 2004 in Athen Sechster im Straßenrennen, und Andy Schleck, der 2008 in Peking ebenfalls im Straßenrennen als Vierter nur hauchdünn die Bronzemedaille verpasste.

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